In Kernkraftwerken braucht es Füllstandsmesstechnik, die in jedem Szenario funktionsfähig bleibt.

Der WIKA-Füllstandssensor N-ALM ist ein spezialisiertes Gerät zur Füllstandsmessung im Kernkraftwerk. Er arbeitet zuverlässig unter LOCA- und BDBA-Bedingungen, selbst bei Totalausfall der Stromversorgung. Ohne aktive Elektronik und ohne organische Materialien wie Kunststoffe oder Dichtungen hält der Sensor nuklearen Einsatzbedingungen stand. Das Gerät bleibt bis zu einem Jahr funktionsfähig, während fast alles andere längst versagt hat.

11. März 2011, Fukushima Daiichi. Ein Erdbeben der Stärke 9,0, kurz darauf ein Tsunami und plötzlich stehen Operatoren vor einer Frage, auf die alle digitalen Systeme keine Antwort mehr liefern: Wie viel Kühlwasser ist noch im Reaktor? Steigt der Pegel oder sinkt er? Solche Momente definieren die höchsten Anforderungen der Kerntechnik: das, was Experten als Beyond Design Basis Accident (BDBA) bezeichnen – nämlich Szenarien, die außerhalb jeder Planungsgrundlage liegen.

Was zählt, wenn fast alles versagt

Kernkraftwerke durchlaufen im Betrieb verschiedene Zustände: vom normalen Vollbetrieb über geplante Wartungsperioden bis hin zu Design Basis Accidents (DBA), also Ereignisse, auf die eine Anlage konstruktiv vorbereitet ist. Für Szenarien jenseits dieser Grenzen, die BDBA, braucht es Messtechnik, die funktioniert, wenn alles andere versagt. Im Severe Accident Management sind dafür nicht millimetergenaue Werte gefragt, sondern Trend, Schwellenwert und Plausibilität. So definiert es auch der internationale Standard IEEE 497.

Gleichzeitig muss die Messtechnik Temperaturen bis 250 °C, Drücken bis 10 bar, Luftfeuchtigkeit von 100 % und intensiver Strahlung standhalten – und das über Monate hinweg, ohne externe Stromversorgung. Wer das mit programmierbarer Elektronik lösen will, scheitert. Solche Bauteile versagen bereits bei rund 50 kGy. Im BDBA-Szenario sind hundertfache Strahlungsdosen bis 5,05 MGy zu erwarten. Hinzu kommt, dass laut IAEA und NEA Störfallmesstechnik immer anlagenspezifisch ausgelegt sein muss.

Füllstandsmessung im Kernkraftwerk: drei kritische Bereiche

Für diese Aufgabe hat WIKA einen spezialisierten Füllstandssensor entwickelt: den Niveau-Messwertgeber N-ALM mit Reedkettentechnik für den Einsatz in offenen Behältern und Becken sowie für Druckbehälter-Applikationen. Das Grundprinzip ist einfach: Der Sensor kommt ohne aktive Elektronik und ohne organische Materialien wie Kunststoffe oder Dichtungen aus, die unter Strahlung, Hitze und Feuchtigkeit schnell ihre Funktion verlieren können. Damit ist er explizit qualifiziert für den Einsatz unter nuklearen Unfallbedingungen. Je nach Reaktortyp (PWR oder BWR) und Auslegung des Sicherheitsbehälters kommt er in bis zu drei Bereichen zum Einsatz, jeder davon mit eigenem Risikoprofil:

  • Brennelementebecken (Spent Fuel Pools): Abgebrannte Brennelemente lagern unter rund 12 Metern Wasser, das gleichzeitig als Kühlung und Strahlenschutz dient. Sinkt der Pegel, verliert der Pool seine Schutzwirkung. Konventionelle Sensoren versagen, sobald die Strahlung zunimmt.
    Der Niveau-Messwertgeber N-ALM eignet sich für den Einsatz in offenen Behältern und Becken sowie in Druckbehältern.

    Der N-ALM von WIKA ist ein spezialisierter Füllstandssensor für nukleare Anwendungen.

  • Druckbehälter (Pressure Vessel): Indirekte Füllstandskontrolle zur Überwachung des Kühlmittelinventars ist die kritischste aller Messaufgaben.
  • Überflutungsbereich im Sicherheitsbehälter: Im Fall eines Kühlmittelverluststörfalls (Loss of Coolant Accident, kurz LOCA) wird das Reaktorgebäude von außen geflutet. Der seitlich an der Wand montierte Sensor misst, wie weit die Überflutung fortgeschritten ist. Zu viel Wasser ist ebenso gefährlich wie zu wenig. Der Betonsockel darf nicht überlastet werden.

In allen drei Fällen gilt das gleiche Prinzip: Es geht nicht darum, auf den Millimeter genau zu messen, sondern im entscheidenden Moment die richtigen Informationen zu haben. Diese Anforderung prägt die gesamte SAMG-Philosophie (Severe Accident Management Guidelines) und ist der Ausgangspunkt für das WIKA-Sensorkonzept.

Das Messprinzip: so einfach, dass es nicht versagen kann

Die Antwort von WIKA ist einfach, und genau darin liegt ihre Stärke. Der N-ALM verzichtet auf jegliche aktive Elektronik und organische Materialien. Das Prinzip: Ein Schwimmkörper folgt dem Flüssigkeitsspiegel. Sein Permanentmagnet schließt mechanisch die Reed-Kontakte einer eng gestuften Widerstandskette. Je nach Position des Schwimmers verändert sich der Gesamtwiderstand – ein quasi-kontinuierliches Signal, ohne ein einziges elektronisches Bauteil im Containment.

Im Normalbetrieb wird das Signal analog als 4 … 20 mA in den Kontrollraum übertragen. Fällt die Stromversorgung aus, schließt ein Operator ein handelsübliches Multimeter an die Kabelschnittstelle an. 9 Volt genügen, um den Widerstandswert direkt abzulesen. Die qualifizierten Grenzwerte belegen das Potenzial: Eine Unfalltemperatur von 250 °C, ein Unfalldruck von 10 bar, eine Strahlendosis von 5,05 MGy, seismische Beschleunigung bis 5 g und eine Unfall-Einsatzzeit von einem Jahr.

Jede Anlage ist anders – und jede Lösung auch

Der Reaktortyp (PWR oder BWR), das Design des Sicherheitsbehälters, Strategien zum Störfallmanagement, vorhandene Durchführungen und Raumhöhen: All das beeinflusst, wie ein Sensor eingebaut werden kann. Kein Kernkraftwerk gleicht dem anderen. Deshalb versteht sich WIKA nicht als Lieferant von Standardprodukten, sondern als Projektpartner. Vom ersten Engineering-Gespräch über die Qualifizierung nach IEEE 323/344 und KTA bis zur Installationsunterstützung vor Ort. Zertifiziert nach ISO 19443 und KTA 1401.

Der N-ALM kann zwar auch in neuen Anlagen verbaut werden, ist aber primär für Nachrüstungen konzipiert. Die Anlage kann während des Einbaus oft in Betrieb bleiben, sofern das Engineering-Konzept dies vorsieht. Bei wassergefüllten Brennelementebecken, die aus Strahlenschutzgründen nicht entleert werden dürfen, ist eine Installation unter Betriebsbedingungen nicht nur möglich, sondern häufig die einzige Option.

Fazit – Verlässlichkeit, wenn sie am meisten zählt

Fukushima hat der Welt gezeigt, dass es nicht die ausgeklügeltsten Systeme sind, die in extremen Situationen den Unterschied machen – es sind die robustesten. Der WIKA-Sensor N-ALM steht für genau diese Überzeugung: maximale Zuverlässigkeit durch minimale Komplexität, kombiniert mit dem Engineering-Know-how, das jede Anlage für Ihre spezifischen Anforderungen benötigt.

Hinweis
Auf der Produktseite finden Sie weitere Daten zum N-ALM. Weiterführende Informationen zu WIKA-Messtechnik für die nukleare Energieerzeugung erhalten Sie auf unserer Webseite. Haben Sie Fragen? Dann steht Ihnen Ihr Ansprechpartner gern zur Verfügung.

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